Handballtrainer nehmen das „Fernzielwerfen“ unter die Lupe!

Die Meinung von unserem Trainer Sven Holz zu der neuen Regel mit dem siebten Feldspieler!

Handballtrainer nehmen das „Fernzielwerfen“ unter die Lupe!

Für viel Gesprächsstoff sorgt die seit dieser Saison modifizierte Regel, einen siebten Feldspieler für einen Torwart zu bringen. Deutschlands Handball-Ikone Stefan Kretzschmar findet sie „blöd“. Aber was halten die Trainer aus Ochtrup, Burgsteinfurt, Borghorst und Nordwalde davon?

Der ehemalige Nationalspieler Stefan Kretzschmar pestet: „Das sieht total blöd aus. Warum muss man unsere Sportart verändern?“ Und Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, findet: „Das kann zu ständigen Wechseln führen und schränkt unsere Sportart ein.“ Gemeint ist die mittlerweile viel diskutierte modifizierte Regel, die es erlaubt, einen siebten Feldspieler für den Torwart zu bringen. Was die hiesigen Trainer bislang davon halten, wollte die Sportredaktion der Westfälischen Nachrichten genauer wissen.

Eckhard Rüschhoff kann sich „vom Grundsatz her“, so der Trainer des TV Borghorst, durchaus mit der neuen Regel anfreunden. „Allerdings setzt das voraus, dass wir ganz häufig komplett trainieren müssten.“ Womit er zu bedenken gibt, dass es gerade im Amateurbereich nicht einfach ist, die Norm umzusetzen. „Allein schon deshalb, weil aus beruflichen Gründen nur 60 bis 70 Prozent der Mannschaft am Training teilnehmen“, sagt Rüschhoff. Besonders gefordert seien die Torhüter, „die nun laufeffektiver agieren und sich wesentlich mehr einbringen müssen.“ Neue Anforderungen ergeben sich zudem für die Spieler. „Wir benötigen solche, die aus 35 Meter das Tor treffen. Das kann nicht jeder. Deshalb müssen wir auch das trainieren.“

Stephan Nocke hat eine „zweigeteilte Meinung“, so der Coach, zum erweiterten Regelwerk. „Eine Zeitstrafe ist eigentlich keine Bestrafung mehr“, gibt der Trainer des TB Burgsteinfurt zu bedenken. Positiv sei, dass mit der Einwechslung eines siebten Feldspielers eine neue Spielsituation entstehe, die sich durchaus bereichernd für den Handball auswirken könne. „Allerdings braucht man dazu ballsichere Spieler, die in der Lage sind, das umzusetzen.“ Nocke selbst ist offen für die neue Richtlinie. „Wir haben das schon zweimal ausprobiert. Im Spiel gegen Gronau hat das auch fünfmal geklappt“, erläutert der TB-Coach.

Für Reinhard Hölscher hat das neue Richtmaß zwei Seiten. Seiner Meinung nach trage das „Fernzielwerfen“, wie Handball-Ikone Stefan Kretzschmar das Werfen auf ein verwaistes Handballtor bezeichnet hat, nicht gerade zur Erhöhung der Attraktivität des Handballsports bei. „Ich wage zu bezweifeln, ob das schön ist“, lautet Hölschers Einschätzung. Ohnehin glaubt der Trainer des heimischen Kreisligisten SC Nordwalde, „dass das Thema eher auf oberster Ebene praktiziert wird. Im unteren Bereich habe ich das noch nicht oft gesehen.“

Arminia Ochtrups Coach Sven Holz schließt sich der Meinung von Stephan Nocke weitgehend an und argumentiert: „Für ein Team, dass eine Zwei-Minuten-Strafe abbrummen muss, ist das in der Offensive ja kein Nachteil, also keine Bestrafung mehr. Mit den entsprechenden Spielern kannst du die Unterzahl relativ gut überbrücken. Dafür ist die neue Regel ein nettes taktisches Mittel.“

Holz spricht sich für eine Modifizierung des neuen Reglements aus. Er favorisiert, dass nur ein zusätzlicher Feldspieler für einen Torwart gebracht werden darf, wenn beide Teams vollzählig sind. „Ich werde die Variante mit dem siebten Feldspieler situationsbedingt weiter anwenden. Wir haben zwei Konzeptionen trainiert, was wir in so einem Fall zu tun haben. Gegen uns hat in dieser Saison noch keine Mannschaft dieses Mittel angewendet. Ich denke, dass das ohnehin mehr was für Teams aus den großen Ligen ist“, erklärt Holz.

Bericht Von Marc Brenzel und Heiner Gerull

Bericht aus der WN:

http://www.wn.de/Sport/Lokalsport/Ochtrup/2579064-Handball-im-Kreis-Steinfurt-Handballtrainer-nehmen-das-Fernzielwerfen-unter-die-Lupe